„viertel-notes“ Text

„viertel-notes“ Ausstellung im Stadtteilbüro Frankfurt /M mit Saxofon-Installation von Tobias Rüger

Seit ihrem Studium der Freien Kunst an der Kunsthochschule Kassel hat die in den basis Atelierräumen arbeitende Künstlerin Birgit Arp mit den unterschiedlichsten Methoden und unter Einbeziehung des Zufalls Notationen erstellt, die sie in der doppelten Funktion von Zeichensystem und Zeichnung bzw. musikalischen Graphik gebraucht.

Ausgangspunkt für die jetzigen Notationen sind Stadtpläne und Luftaufnahmen über das Bahnhofsviertel, die sie durch die künstlerische Aneignung in ihrer vermeintlich zeitlosen suggerierenden Gültigkeitsfunktion, in Frage stellt. Als Vorlage für ihre künstlerischen Arbeiten werden die nur noch in ihren ursprünglichen Grenzen angedeuteten kartierten Objekte aus dem Kontext genommen und in musikalische Erfahrungsräume übersetzt.
Ihr unbefangener Gebrauch des eigentlich normierten Zeichensystems bezieht die äußeren Zonen des Spiels und Experimentierens mit ein, sodass durch die veränderten Regeln die Sinnhaftigkeit von Zeichen ad absurdum geführt werden.
Es liegt am Betrachter selbst, die Noten in Beziehung zu setzen oder aber es zu lassen.
Das Erkennen der ursprünglichen Stadträume ist nicht zwingend, der vermeintlichen Objektivität einer Karte wird ihre eigentliche Prozesshaftigkeit gegenübergestellt.

Die Notationen lassen aber auch in ihrer offenen Form eine Übersetzung in konventionelle Notationen mit unterschiedlichen Graden der Determiniertheit zu, die Tobias Rüger zum Anlass genommen hat, diese mit seinem Saxofon anzuwenden.
Das Fragmentarische, die aufgehobene Tonalität und das offene Zeitmaß geben dem Interpreten größtmögliche Freiheit bei der Ausführung, sodass dieser durch die vielfältigen Möglichkeiten der Umsetzungen immer neue Realisierungen hervorbringen kann.

Der Hörer wird mit Vertrautem und Fremden konfrontiert, so als ob er durch das Bahnhofsviertel spaziert.