Notizen

Ich möchte immer so viel und sofort zu meiner Malerei sagen, so viel darüber in die Worte fassen. Und ich merke sofort wie naiv das ist, weil es sich mir gleichzeitig offenbart, dass die Materie so mächtig und aussagekräftig ist und sie von mir als Ergänzung keine Worte braucht.
Ich male also um zu sehen und nicht um etwas darstellen zu müssen.

Es ist interessant wie mit Hilfe der kleinen Menge der Farbe ich eine Voraussetzung zum Entstehen des Raumes gründen kann. Und es fasziniert mich, wie ich zu Farbe eine klare Beziehung aufbauen kann.

Ich will den Raum nicht abmalen.
Es fasziniert mich, dass obwohl der sehr immateriell erscheint, doch gleichzeitig sehr räumlich d.h. greifbar und viel bedeutender wirkt. Das ist meine Stellung zu Realität.

Ich höre und beobachte jedes Wort und wandle es in die Farbe um.

Ich will, dass Farben aufeinander prallen, so wie zwei Menschen aufeinander zugehen und sich versuchen, sich anpassen oder kontrieren, sich in Frage stellen oder ergänzen.
Und dann suche ich in meinen Bildern nach Klarheit dieser komplizierten Welt. Oder wird dieser Welt nur komplizierter empfunden? Es ist für mich interessant, wie ich zur Klarheit komme und wie ich die Ordnung begreife und was ich aus dieser Komplexität akzeptiere.

Manchmal denke ich, meine Malerei ist wie das Fotografieren, weil so viele Facetten der gleichen Materie entstehen, die dann natürlich zusammen passen, aber doch einzeln akzeptiert oder abgelehnt werden können. Ist das ein Gemälde, das aus mehreren Teilen besteht oder mehrere Gemälde, die ein Teil bilden?

Nichts lässt sich planen und das, was manchmal geplant war wurde unbewusst zerstört, auf eine andere Bahn geleitet. Es wird nur instinktiv entschieden, ob das, was ich als Endeffekt sehe, bleibt oder weiter überarbeitet wird, noch weiter übermalt werden soll. Ich bin gespannt auf meine Entscheidung und es interessiert mich wie ich entscheide. Ich kann mich einfach vergessen und malen, einfach weiter malen.

Wir können uns heute nicht mehr vom fotografischen Denken lösen. Wir wahrnehmen viel, speichern viel, weil wir viel in sehr kurze Zeit erleben. Fotografie ermöglicht uns das zu tun. Wir haben diese Möglichkeit viel zu speichern und das, was wir dann nicht mehr brauchen oder uns nicht gefällt, zu aussortieren und zu löschen. Ich denke aber, dass wir es nicht tun. Ich nutze dieses Denken auch. Ich sammle um dann auszuwählen. Aber meine Auswahl doch modifiziert wird.

Kunst das ist Liebe, das sind Dramen, das ist Tragik der Höhen und Tiefen unseres Lebens.

Wie immun bin ich gegen drohende Verschmelzung von Mensch und Maschine. Sind die Grenzen noch sichtbar, Unterschiede spürbar? Werden wir zu Datenmuster umgewandelt, die wir irgendwann nicht mehr beeinflussen können, weil wir die Mechanismen nicht mehr kontrollieren oder bewerten können? Haben wir überhaupt andere Wahl?

Was ist also die Beliebigkeit? Bin ich offen dafür? Was bin ich und wozu ich da bin? Wer entscheidet über das Endeffekt, über die Auswahl? Welche Mechanismen konfigurieren diesen Prozess?

Ich male was meine Vorstellungskraft noch nicht gesehen hat.