Neue Grenzen

Aktion im Stadtraum
2007

Im August 2007 wurde das Gelände des Skulpturenparks Berlin_Zentrum wochentags zu einer festen Uhrzeit von einem Mitarbeiter eines privaten Sicherheitsdienstes aufgesucht und kontrolliert. Der Mitarbeiter legte dabei eine vorgegebene Strecke entlang der noch bestehenden Wege des ehemaligen Mauerstreifens und der mittlerweile auf den Brachflächen entstandenen Trampelpfade zurück. Diese Aktion nimmt einerseits Bezug auf die Geschichte des Ortes, indem es auf die Grenzpatrouillen entlang der „Mauer“ verweist. Anderseits greift es die Frage der zunehmenden Privatisierung und Kontrolle des öffentlichen Raumes auf.

Nach dem Fall der innerdeutschen Grenze und dem Verschwinden der „Mauer“ entstanden aufgrund der Abgrenzungsbedürfnisse der Grundstücks- und ImmobilienbesitzerInnen auf dem ehemaligen Mauerstreifen eine Vielzahl neuer Grenzen. Diese werden von provisorischen Zäunen markiert, mit denen eine unbefugte Nutzung der Brachflächen unterbunden werden soll. Die nicht eingezäunten Geländepartien weisen mittlerweile Spuren unterschiedlichster Nutzungen auf. Trampelpfade ziehen sich als alternatives Fußwegenetz durch die Brachen. Spielende Kinder, pausierende Büroangestellte und HundehalterInnen haben sich das Gelände angeeignet. Diese Inseln informellen, unkontrollierten Handelns sind gesäumt von einem Gürtel akkurat angelegter Bürgersteige, Baumreihen und Parkbuchten. Sie repräsentieren die öffentliche Ordnung, die, sofern sich Investoren finden, auch an diesem Ort hergestellt werden soll.

Der Sicherheitsdienst, welchen man für gewöhnlich auf Firmengeländen, in Fußgängerzonen, Einkaufszentren und Bahnhöfen antrifft, wird an einen Ort versetzt an dem es auf den ersten Blick nichts zu kontrollieren gibt. Der Sicherheitsmitarbeiter wird so zum Darsteller einer wiederkehrenden performativen Handlung und kontrolliert letztlich nur sich selbst.

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