Ist der Ruf erst (Performance)

Performance (Solo) "Ist der Ruf erst", Ausstellunghalle 1A & Galerie Eulengasse, FFM 2013

Der Vortrag eines Gedichts (eine Ansammlung von düsteren Textpassagen verschiedener Autoren - S. unten), dann ein leidvoll-sehnsüchtiges Liebeslied, die Performerin sinkt mit dem Kopf ein in einen rosa Sitzball. Die Performance überspannt den Bogen des Leidens an der Welt und das an der Liebe bis hin zur Persiflage.

Fotos: (c) Hans-Jürgen Herrmann

"Wie traurig dieser Nachmittag
Eine Ballade von Rainer Georg van der Morgendorff

Es ist ein Stoppelfeld, in das ein schwarzer Regen fällt.
Es ist ein brauner Baum, der einsam dasteht.
Es ist ein Zischelwind, der leere Hütten umkreist
- Wie traurig dieser Nachmittag.

Die bunten Bilder, die das Leben malt
Sind hier umdüstert nur von Dämmerungen,
Wie kraus verzerrte Schatten, trüb und kalt,
Die kaum geboren schon der Tod bezwungen.

Am Tag kann man sich noch täuschen mit Tätigkeit und Ruhe
Aber abends und in der Nacht,
Leere mit Goldrand bleibt Leere.

Mich ekelt dieses wüste Traumgesicht.
Doch will ein Machtgebot, daß ich verweile,
Ein Komödiant, der seine Rolle spricht,
Gezwungen, voll Verzweiflung – Langeweile!

Die Natur ist glücklich. Doch in uns begegnen
sich zu viele Kräfte, die sich wirr bestreiten:
Wer weiß zu scheinen? Wer vermag zu regnen?
Und meine Seele spannte weit ihre Flügle aus,
stolperte über eine Kante und es war aus.

Schluß. Aus. Mickey. Maus.
Grün ein Hüpfer im hohen Gras
eben noch daneben saß.

Ganz egal ob es einen Gott gibt oder nicht,
Wir brauchen ihn.
Vielleicht werden wir ihn sehn.
Doch bis dahin führen nur einsame Schritte an Licht.
Die zur Wahrheit wandern, wandern allein,
keiner kann dem andern Wegbruder, Wegschwester, Weggeschwister sein.

Deshalb: liebe deines Wesens Dunkelstunden!
in welchen deine Sinne sich vertiefen;
denn in ihnen hab ich, wie in alten Briefen,
mein täglich Leben schon gelebt gefunden
und wie Legende weit und überwunden.

Aber jede Schmach und jede Schande,
jeder Schmerz und jedes Leiden
wird bei richtigem Verstande
deinen Aufstieg mehr entscheiden.
Wie ein Stern wirst du dann funkeln,
Fackeln beleuchten dein Gehege,
ungezähltem Volk im Dunkeln
weist ein Sieger Sonnenwege."

[Textcollage: Christian Morgenstern, Georg Trakl, Rainer Maria Rilke, Joseph v. Eichendorff, Eleonora Herder, Katja Kämmerer]

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