INGOLF #4 ZIEHT AUS music theatre

ingolf
sechsteilige Musiktheater-Reihe von Daniel Kötter / Hannes Seidl / Rahel Kesselring

Wir beauftragten Ingolf Haedicke, 72, ehemaliger Mitarbeiter des DDR-Rundfunks, erklärter Verächter des Zeitgenössischen und passionierter Hobby-Bastler, für uns und das MiR eine Oper zu entwerfen, künstlerisch und institutionell.

Seine Vorschläge sind textlicher und inhaltlich-formaler Ausgangspunkt des Projekts ingolf.

Im Laufe von zwei Jahren entstanden ausgehend von einer Dokumentation eines Tags von Ingolf Haedicke sechs Teile eines Musiktheaterzyklus' in verschiedenen Formaten: Filmkonzert, Installation, Werkstattbegehung, Stadtrauminterventionen und Orchesterkonzert. Das Prinzip ingolf ist expansiv: Mitarbeiter des MiR und Bewohner von Gelsenkirchen wurden im Laufe der zwei Jahre Facetten von ingolf.

ingolf sind sechs Antworten auf die Frage: Wie lassen sich Alltagspraktiken und Theaterbetrieb kombinieren, sich gegenseitig virtuos fiktionalisieren und aushebeln? Wie kann Alltag Kunstforschung betreiben und wie künstlerische Praxis Alltagsforschung.

ingolf #4 zieht aus

Umzug durch die Stadt mit Spielmannszügen und Fanfarencorps und allen die mitmachen wollen

Zu Beginn war ingolf noch allein, im Alltag, in seiner Wohnung, und in der Oper. Doch auf dem Weg zur Arbeit am Theater hat er all das mitgenommen, was sein Leben ausmacht: seine Kaffeemaschine und sein Bett, seinen Lötkolben und den selbstgebastelten Sinusgenerator. Endlich auf der Theater-Bühne angekommen, hat er die Besucher in seiner Wohnung kochen, arbeiten, schlafen und musizieren lassen. ingolf hat den Alltag der Oper in die Oper des Alltags überführt. Doch jetzt ist es Zeit, dass ingolf abtritt, seine Rolle hat er gespielt. Es ist jetzt an uns allen zu übernehmen. Wir räumen aus, bauen ab, nehmen alles auseinander, und dann geht es raus, "raus aus dieser bürgerlichen Muffbude“. Wir tragen unseren Alltag mit Pauken und Trompeten aus dem Theater in die Stadt und nehmen alle mit, die wollen. Denn wir können unsere Oper nicht immer den anderen überlassen: Oper von allen statt Oper für alle. Unsere neue Bleibe schlagen wir direkt im Herzen der Stadt auf, am Heinrich-König-Platz, da, wo wir alle einkaufen, Kaffee trinken, arbeiten und rumhängen. Und dort machen wir Freunde fürs Alltagsleben, jeden Tag, in insgesamt sieben Akten.

Premiere: 21. April 2017, 18.00 Uhr, Musiktheater im Revier Gelsenkirchen, kleines Haus

Film, Musik, Regie Daniel Kötter, Hannes Seidl
Szenographie Rahel Kesselring
Dramaturgie Anna Grundmeier (MiR), Roland Quitt (FeXm)
Produktionsbüro Berlin: ehrliche arbeit - freies Kulturbüro

Eine gemeinsame Produktion von Daniel Kötter / Hannes Seidl mit dem Musiktheater im Revier und dem Fonds Experimentelles Musiktheater.

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