GALERIE installation

Installation
Daniel Kötter / Hannes Seidl

Räume und Tätigkeiten definieren sich durch ihren Kontext. Umnutzung per Deklaration. Kunst im öffentlichen Raum kodiert selbigen um und wird gleichzeitig selbst umkodiert. Aber Kunst im betriebsinternen Raum ist der öffentlichen Diskussion entzogen und somit keine Kunst sondern Betrieb?

Was für Räume stimmt, gilt auch für Tätigkeiten. Wenn Verlags-Mitarbeiter und Künstler nebeneinander arbeiten, dann überlagern sich hier Praktiken, deren Herkunft und Ziel nicht mehr genau zu bestimmen ist. Verlagsarbeit und künstlerische Arbeit infizieren sich gegenseitig.

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit zelebrieren Verlags-Mitarbeiter und Künstler eine Woche lang die Unschärfe zwischen Betriebsfeier und Vernissage, zwischen betriebsinternem Statement und Rede zur Eröffnung einer Kunstausstellung. Kataloge werden gestaltet und gedruckt, der Verlagschor probt, Reden werden geschrieben und einstudiert, Lehr-CDs eingespielt, Klänge gesammelt, deklariert und umgewidmet, die Lagerräume des Kellers zu Ausstellungsräumen umfunktioniert. Schließlich treffen sich Künstler und Mitarbeiter zur förmlichen Eröffnung ihrer betriebsinternen Feierlichkeit. Kunstarbeiter werden Mitarbeiter, Mitarbeiter werden Kunstarbeiter.

Die Öffentlichkeit darf erst danach mitmachen, wenn alles schon vorbei ist, Kunst und Betrieb wieder feierlich getrennt sind. Am Eingang kauft man die Eintrittskarte und darf die Reste der kunstbetrieblichen Unternehmung bewundern. "Galerie" als profaner Terminus ist Rundgang, als Begriff im künstlerischen Feld bezeichnet er den halböffentlichen Raum der Ausstellung sowie die Institution zur Veräußerung der Kunstware. Der Besucher besichtigt die Kellerräume des Klettverlags und besichtigt sich selbst, die Mitarbeiter, die wieder Mitarbeiter sind, den Chor, der wieder Chor ist.

Klett-Areal
Rotebühlstraße 77, D - 70178 Stuttgart
5.-7. Oktober 2010, Einlass 17/17.30/18/18.30/19/19.30 Uhr
Festival Zukunftsmusik

„Ein irritierendes Spiel mit der Vergangenheit und Gegenwart, das Spaß macht“
Stuttgarter Nachrichten

"... Galerie war eine der gelungensten Veranstaltungen. ... (Er überzeugte) vor allem durch das aufwerfen kunsttheoretischer Fragestellungen mit den Mitteln von Kunst. gekonnt wurde die Wahrnehmung des Rezipienten fokussiert, der sich als integralen Bestandteil von Galerie erlebte." Positionen

„Das dem Alltäglichen Entrückte ermöglicht einen neuen Blick auf die Realität und verändert damit auch den Zuschauer.“
Esslinger Zeitung

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