Ein Bericht
Im Vorfeld herrscht große Nervosität. Man will ja nicht Grund für den nächsten politischen Eklat sein. Daher starte ich zuerst an einer der wenigen „öffentlichen“ Sitzgelegenheiten am Rande einer Hallenwand. A., meine spontane Komplizin, schafft es, die Aufkleber gleich einem Furz mit einer schnellen Bewegung ganz unauffällig unter ihr auf die Sitzfläche zu kleben. Meiner anderen spontanen Komplizin, C., fällt dies weniger leicht. Sie gesteht mir später, sie habe es nur bei wenigen Gelegenheiten geschafft, etwas zu hinterlassen.
Jedoch zeigt sich schnell: Ein kleiner Furz in der Menge fällt gar nicht auf. Die Leute im Umfeld schauen teilnahmslos zu, wie ich Aufkleber glattstreiche. Nur bei offiziellen Anlässen ist er so deutlich nicht erwünscht. „Gar nicht lustig“ findet die Idee das auswärtige Amt, die Installation bei der Gesprächsrunde mit Nobelpreisträger Gao Xingjian und Yang Lian im Internationalen Zentrum einzusetzen. Bei den Vorbereitungen einer offiziellen Veranstaltung im Ehrengast-Forum, wird das chinesische Schriftzeichen von einem deutschen Mitarbeiter bei der Reservierung der Ehrensitzplätze zunächst einfach überdeckt. Anschließend eilt jedoch eine chinesische Mitarbeiterin herbei, schaut unter alle Schilder und entfernt vorgefundene Furze mit einem dezenten Ruck.
In der Frankfurter Innenstadt kontrolliere ich zuvor bestückte Sitzgelegenheiten und möchte gleich eine Sitzbank vor der Touristen-Information ausbessern. Ich nehme zwischen zwei asiatischen Touristinnen Platz. Sofort werde ich nach meiner Herkunft gefragt und man kommuniziert erfreut auf Chinesisch mit mir weiter. Als ich meinen Aufkleber anbringe, kommt ein "Ach, du hast diesen Furz aufgeklebt". Den Frauen sei das Schriftzeichen gleich aufgefallen, denn sie sitzen hier regelmäßig und jede kleinste Veränderung fällt ihnen sofort auf. Den Erklärungstext muss ich ihnen gar nicht erst vorlegen, den haben sie längst gelesen. „Eine lustige Sache“ finden sie, nur fotografieren wollen sie sich nicht lassen. Und Ihre Antworten auf persönliche Fragen fallen so knapp aus, dass ich mich nicht getraue, sie nach dem Grund für das regelmäßige Sitzen auf der Bank fragen.